Literatur aus dem Elsass

Marie Hart erblickt am 29. November 1856 in Bouxwiller/Buchsweiler das Licht der Welt. Als zweite Tochter der kinderreichen Familie des Apothekers Louis Hartmann und seiner Frau Emilie, verbringt sie eine glückliche Jugend in der ehemaligen Hauptstadt des Hanauerlandes (als „Dachswiller“ in ihren Erzählungen umgetauft). Die Geschehnisse dieser Zeit schildert sie in G’schichtlen un Erinnerungen üs de sechziger Johr, erschienen im Jahre 1911.

Der 1870ger Krieg setzt diesem sorgenfreien Leben ein Ende. Zwei Jahre später geht Marie Hart nach Straßburg um an der Lehrerbildungsanstalt zu studieren. 1874 besteht sie ihre Prüfung in Nancy. Danach unterrichtet sie während zwei Jahren in einem Mädchenpensionat in Dresden. Zu jener Zeit beginnt sie zu schreiben. Es handelt sich dabei um einige Geschichten und Märchen in französischer Sprache.

1882 schockiert sie zutiefst ihre Familie, indem sie Alfred Kurr, einen 15 Jahren älteren deutschen Offizier, zudem noch geschieden, heiratet. Das Paar lässt sich in Mellau (Vorarlberg), in einem Gebirgshof nieder. 1885 kehren sie zurück ins Elsass, und zwar nach Lutzelhouse/Lützelhausen, im Breuschtal, wo ihre Tochter Charlotte zur Welt kommt. 1895 ziehen sie nach Freilassing in Bayern. Dort schreibt Marie Hart weiter, auf Hochdeutsch, bevor sie sich dem elsässischen Dialekt widmet. Ihr erstes Werk, ein Theaterstück, erscheint im Jahre 1907: D’r Stadtnarr.

Materielle Schwierigkeiten zwingen die Familie Kurr im Jahre 1908 nach Buchsweiler zurückzukehren. Marie Hart eröffnet ein Schülerpensionat. Zahlreiche Zeitungen verlangen ihr Gedichte und Erzählungen. 1913 erscheint D’r Herr Merkling un sini Deechter, gefolgt von D’r Hahn im Korb. Nach Kriegsende wird ihr Ehemann ausgewiesen.

Ausgestossen und verleumdet verläßt Marie Hart das Elsass und findet in Bad Liebenzell im Schwarzwald, wo Alfred Kurr bereits untergebracht ist, eine zweite Heimat. Dort verfasst sie Üs unserer Franzosezit (1921), eine wehmütige und kompromisslose Chronik über ihr Erlebnis von den letzten Kriegsmonaten bis zu ihrer Abreise nach Deutschland. Zwei Jahre später folgt noch Erinnerungsland.

Marie Hart stirbt in Bad Liebenzell am 30. April 1924. Ihre Tochter Charlotte veröffentlicht im Jahre 1930 ein letztes Werk: Üs minre alte Heimet, welches Texte und Gedichte ihrer Mutter – darunter D’r französch Himmel – aus verschiedenen Zeitungen und aus ihrem Nachlass beinhaltet.