Fritz Bouchholtz / ‘s letscht Schüljohr

Fritz Bouchholtz (1888-1972), einer meiner Lieblingsautoren unter den Dialektschriftstellern.

Da er im Elsass so gut wie unbekannt ist, gebe ich hier den Nachruf wieder, der nach seinem Tod im « Westen » erschien.

 

Fritz Bouchholtz zum Gedenken

 

Am 29. Dezember 1972 verstarb in Darmstadt, wo er die letzten Jahre seines Ruhestandes verbrachte, der Oberstudienrektor i.R. Friedrich Arnold Bouchholtz, vielen elsässischen Landsleuten bekannt als Fritz Bouchholtz und Autor zahlreicher Bücher volkskundlichen und erzählenden Inhalts, die alle von der Liebe zu seiner elsässischen Heimat zeugen.

Fritz Bouchholtz wurde am 27. November 1888 in Schiltigheim geboren. Sein Vater stammte aus Mecklenburg, war als Jurastudent von Jena nach Straßburg gekommen und an der Gründung der ersten Burschenschaft dort beteiligt gewesen. In Straßburg hatte er geheiratet und war in Neudorf seßhaft geworden. Seine Jugendzeit im St. Urbans-Weg hat Fritz Bouchholtz in Straßburger Mundart lebendig geschildert in dem Büchlein »Es isch emol gsin«, das als Band 19 der Elsaß-Lothringischen Hausbücherei 1930 in Frankfurt erschienen ist, 1932 gefolgt von »Us minere Abedeekerzitt«, dem Band 21 der Hausbücherei. In ihm schildert Bouchholtz – wiederum in straßburger Mundart – was er als Apothekerstift und –gehilfe nach dem Besuch der Realschule zu St. Johann während fünf Jahren in Straßburg, Offenburg, Bern und Rostock erlebt hat. Aber im Jahre 1911 hat er die »Abedeekerzit« plötzlich beendet, das Abitur nachgeholt und in Straßburg angefangen zu studieren – eigentlich Pharmazeutik, aber seinen Neigungen entsprechend mehr in philologischen Vorlesungen und Seminaren. So überraschte ihn denn der Kriegsausbruch am 31. Juli 1914 auch, wie er schreibt, in einem Seminar, des für alle seine Schüler unvergessenen Germanist Franz Schultz. Er meldete sich sofort als Kriegsfreiwilliger beim Fußartillerieregiment 10 und hat in seinen Reihen ununterbrochen an den Feldzügen des ersten Weltkrieges teilgenommen.

1918 kehrte er als Leutnant mit dem EK 1 zurück und beendete sein Philologiestudium an der Universität Frankfurt. Die Referendar– und Assessorzeit verbrachte er in der Heimat seines Vaters, ging dann an die Heeresfachschule in Marburg a.d. Lahn als Unterrichtsleiter und wurde 1928 Studiendirektor und Leiter der Heeresfachschule in Gießen. 1939 wurde er vom NS-Regime aus seinem Amt entlassen, weil seine aus Offenburg stammende erste Frau Jüdin und mit ihren beiden Töchtern nach England geflüchtet war. Fritz Bouchholtz blieb in Deutschland, lebte zurückgezogen und mit literarischen Arbeiten beschäftigt in Grießen in Baden, wo er auch nach dem Zusammenbruch 1945 Bürgermeister wurde. 1947 ging er zu seiner Familie nach England, kehrte aber 1948 zurück nach Hessen, wo er zum Oberstudiendirektor und Leiter des Gymnasiums in Grünberg ernannt wurde, das er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1954 leitete.

In all diesen Jahren hat Fritz Bouchholtz sich volkstümlich-literarisch mit dem Elsaß und Lothringen befasst, 1922 und 1923 elsässische und lothringische Sagen herausgegeben, 1928 das Heimatbuch »Elsaß-Lothringen« , auch heute noch eines der schönsten und inhaltsreichsten Bücher dieser Art. 1932 erschien dann noch ein Büchlein in Mundart »Vakanze« und 1943 die »Elsässische Stammeskunde«.

Im Ruhestand mit seiner zweiten Frau Anneliese in Urberach und Darmstadt lebend, hat Fritz Bouchholtz den 24. Band der Reihe »Burgen – Schlösser – Herrensitze« des Verlages Weidlich in Frankfurt bearbeitet, der 1962 unter dem Titel »Burgen und Schlösser im Elsaß« erschienen ist. Dieses für den Elsaßfreund reizvolle Bändchen ist der letzte Beweis von Fritz Bouchholtz’ Liebe zu seiner Heimat, deretwegen wir – wie einer seine Landsleute unlängst sagte – seiner stets in Dankbarkeit gedenken sollten.

E.F.

Quelle: » Der Westen « 23 Jahrgang, Februar 1973 Nummer 1