René Pflieger: Hochzeitsleut’

Eine Novelle aus dem Band « Patienten und Ärzte », unter dem Pseudonym René Gustav Wunnenberg 1951 erschienen. René Pflieger, 1896 in Mühlhausen geboren, 1962 in Heimsbrunn gestorben, war Hausarzt und elsässischer Schriftsteller. Er hat drei Romane beim Verlag Alsatia veröffentlicht: Der Jäger von Heimsbrunn 1954 Der Glockengießer von Heimsbrunn 1955 Kanzdifir 1958 und auch zahlreiche Theaterstücke im Dialekt geschrieben. Er war auch der Autor der im Elsass in den Kriegsjahren berühmten « Schambedissbriefe », Regimekritische Leserbriefe, auf denen Eugen Rüger, Kreispropagandaleiter der NSDAP, im Mühlhauser Tagblatt antwortete. Obwohl ihn keiner kannte, war der Schambediss eine lokale Berühmtheit. Erst nach 1945 stellte sich heraus, dass Pflieger der Schreiber war. Die beiden Kontrahenten trafen und befreundeten sich 1948 in Bühl (Baden) vor einer Flasche Traminer. Quelle: René Pflieger, un médecin et romancier mulhousien von Jean-Marie Gall in Saisons d’Alsace Nr 73 Les lettres en haute Alsace...

André Weckmann: Monolog zum Thema Alienation

  Dans sa préface au recueil « schang d sunn schint schun lang », d’où est extrait le présent poème, André Weckmann écrivait en 1975 :   Alsaciens, mes frères, ce recueil est écrit pour vous seuls, dans des idiomes connus de vous seuls : le zorndaalisch, le kochersberjisch, le strossburjisch, la koïné unterlandisch et le pêxerisch. Ce sont des idiomes qui, paraît-il, ne servent plus à rien mais qui, pour nous, renferment l’essentiel : être alsacien en Alsace. Elsasser sen em Elsass.   Je m’excuse auprès de nos frères haut-rhinois ainsi qu’auprès de nos frères de l’Outre Forêt francique de n’avoir inclus leurs parlers dans ma gamme. Il eût paru outrecuidant de ma part de m’approprier des images et des sons qu’ils sont les seuls à pouvoir rendre dans leur vérité authentique et savoureuse. Mais comme l’Alsace est une communauté de destin, elle est aussi une communauté linguistique, malgré la diversité phonétique – un mer han uns emmer enand guet verstande, vun Lauterborch bis Sankt Lüi, galle?   Sejje se uf elsassisch, uf franzeesch odder uf hoochditsch, egal, es sen alles lieder fer d Elsasser, numme fer d Elsasser. S esch nix ewer d lieb, nix ewer bliemle un nadür, nix fer hoochzitte, nix fer e massdi.   Es sen ken lieder zem senge, kenni zem schmüse, kenni zem danze. Es sen lieder zem ewerlawe. Lieder zem sich-bsenne, dass mer noch do sen, elsassischi Elsasser em Elsass. Un dass unseri sproch noch labt, dee wo doch schun lengscht heen sott sen.   monolog zem thema alienation odder wi mer verdoddelt sen worre wi mer pervertiert sen worre un s jede daa noch...

Zwei Gedichte aus der Komödie »Der Pfingstmontag« von J.G.D. Arnold (1816)

  Arnolds Leben und Schriften von Ernst Martin (1891)   Johann Georg Daniel Arnold ward den 18. Februar 1780 zu Straßburg geboren; sein Geburtshaus, Nikolausgäßchen 12, brannte 1873 ab, doch ist eine Abbildung erhalten und z.B. in Seyboths Werk: »Das alte Straßburg« S. 186 zu finden. Sein Vater war ein wohlhabender Küfermeister; seine Mutter starb früh, doch die Stiefmutter gewann seine volle Liebe. Er besuchte das Gymnasium bis zu dessen Aufhebung in der Revolutionszeit und trat dann fünfzehnjährig in das Kriegsbüreau des Departements Niederrhein. Als sein Vater 1797 starb, ohne ihm Vermögen zu hinterlassen, fand er als Hofmeister seinen Unterhalt und durfte die Vorlesungen besuchen, welche Oberlin, Koch und andere Professoren der ehemaligen Universität unentgeltlich hielten. 1801 bis 1803 studierte er in Göttingen. Auf der Rückreise ward er in Weimar, am 9. August 1803, von Schiller an Goethe, der sich damals in Jena aufhielt, mit den Worten empfohlen: »Er hängt an dem deutschen Wesen mit Ernst und Liebe.« In Paris, wo sein ehemaliger Lehrer Koch seinen Einfluß in der Konsularregierung für ihn verwendete, ward er Advokat, begleitete aber zunächst 1804 Freunde nach Italien, was ihn besonders nach der Rückkehr in unerfreuliche Abhängigkeit brachte. 1806 erreichte er seinen Wunsch zum Professor ernannt zu werden, zuerst an der Rechtschule in Koblenz, dann von 1809 ab in Straßburg, wo er freilich zunächst bis 1811 noch Geschichte vorzutragen hatte. In Koblenz mit ihm bekannt geworden, zog ihn in Straßburg der treffliche Präfekt Lezay de Marnesia in Verwaltungssachen, besonders für Unterrichts- und Wohltätigkeitsanstalten zu Rate; auch ward er 1820 Mitglied des Direktoriums der Augsburgischen Konfession und zugleich ständiger Dekan der Rechtsfakultät. 1818 reiste er...

Hitt grattle mer bi Wind un Sturm!

Die Zwillingsbrüder Albert (1874-1930) und Adolphe (1874-1944) Matthis gehören zu den hervorragendsten Dichtern der elsässischen Lyrik. Les francophones trouveront une version française de ce chef d’oeuvre de la littérature alsacienne ci-dessous.   Hitt grattle mer bi Wind un Sturm, Uff d’Schnecke nuff vum Müenschterdhurm   Kaan Kneckes hebbt meh in de Hosse, Kaan Pflaschter bliet ‘ne an d’r Sohl, Sie schlaaue ‘s Raedel grad wie gschosse, ‘S isch Daffet un e leid’s Grambol, Un d’Alde hirze als wie gstoche, Sie drette hinde nüss, gesch druff, Un ihri alde, müede Knoche, Sie nemme’s mit de junge uff, Wenn’s haisst : im Kinné d’Letscht gebacht, Jetz d’Baan in d’Haend ‘s isch üssgemacht, Hitt grattle mer bi Wind un Sturm, Uff d’Schnecke nuff vum Müenschterdhurm.   Fescht am Sââl ghebbt, lüepfe d’Schunke, Rutscht mer kaaner üss’m Gleis, Denke nit an d’Schwindelfunke, ‘S koscht e mancher Schobbe Schweiss, Bis m’r üss d’r katzegröuije Mür uff d’ Plattform schpanne kann, Un bis mer de letschte Böije, Vun d’r Stäij genumme han.   Luej wie klaan jetz d’Litt schun schine, Maansch grad ‘s surrt e’ Dopf im Wuet, Un bisch dran ‘s ghoert Alles dinne Wo do drunde zwawwle dhuet, Un do siesch ererscht dernewe As aa dü gar wenni bisch, Un as e’ so Menschelewe, Nit viel meh as d’Rehgais isch.   Sachte jetz dess Eck genumme, D’Stäij lonn leije rechter Hand, Drüeckle d’Stirn ab denn mer kumme In de Durichzuck mitnand, D’ Leitere nuff bis fascht an d’Schindle, Zue d’r grosse Glock derno, – Starik zwanzichdöuisich Pfüendle Gued gewöije, henkt sie do.   Un wie ruej dhuet sie do henke, Un wie nett isch’s...

Literatur aus dem Elsass

Marie Hart erblickt am 29. November 1856 in Bouxwiller/Buchsweiler das Licht der Welt. Als zweite Tochter der kinderreichen Familie des Apothekers Louis Hartmann und seiner Frau Emilie, verbringt sie eine glückliche Jugend in der ehemaligen Hauptstadt des Hanauerlandes (als „Dachswiller“ in ihren Erzählungen umgetauft). Die Geschehnisse dieser Zeit schildert sie in G’schichtlen un Erinnerungen üs de sechziger Johr, erschienen im Jahre 1911. Der 1870ger Krieg setzt diesem sorgenfreien Leben ein Ende. Zwei Jahre später geht Marie Hart nach Straßburg um an der Lehrerbildungsanstalt zu studieren. 1874 besteht sie ihre Prüfung in Nancy. Danach unterrichtet sie während zwei Jahren in einem Mädchenpensionat in Dresden. Zu jener Zeit beginnt sie zu schreiben. Es handelt sich dabei um einige Geschichten und Märchen in französischer Sprache. 1882 schockiert sie zutiefst ihre Familie, indem sie Alfred Kurr, einen 15 Jahren älteren deutschen Offizier, zudem noch geschieden, heiratet. Das Paar lässt sich in Mellau (Vorarlberg), in einem Gebirgshof nieder. 1885 kehren sie zurück ins Elsass, und zwar nach Lutzelhouse/Lützelhausen, im Breuschtal, wo ihre Tochter Charlotte zur Welt kommt. 1895 ziehen sie nach Freilassing in Bayern. Dort schreibt Marie Hart weiter, auf Hochdeutsch, bevor sie sich dem elsässischen Dialekt widmet. Ihr erstes Werk, ein Theaterstück, erscheint im Jahre 1907: D’r Stadtnarr. Materielle Schwierigkeiten zwingen die Familie Kurr im Jahre 1908 nach Buchsweiler zurückzukehren. Marie Hart eröffnet ein Schülerpensionat. Zahlreiche Zeitungen verlangen ihr Gedichte und Erzählungen. 1913 erscheint D’r Herr Merkling un sini Deechter, gefolgt von D’r Hahn im Korb. Nach Kriegsende wird ihr Ehemann ausgewiesen. Ausgestossen und verleumdet verläßt Marie Hart das Elsass und findet in Bad Liebenzell im Schwarzwald, wo Alfred Kurr bereits untergebracht ist,...

Résurrection alsacienne

Il est rare que la poésie exprime à ce point la révolte, c’est peut-être encore plus vrai lorsqu’on parle de poésie alsacienne. J’ai découvert ce recueil d’Eugène Mann « Elsässischi Uferstehung » plusieurs années après sa parution en 1995. Il avait bien reçu le prix de la ville de Colmar, mais ce genre de littérature n’atteint malheureusement qu’un public très restreint. C’est pourquoi je suis très heureux de pouvoir vous présenter un extrait de cette grande œuvre alsacienne. Le livre lui-même n’est plus disponible en librairie depuis bien longtemps. Il s’agit ici du final en langue française, un morceau d’anthologie, une antithèse de l’Alsace des beaux livres d’images… L’introduction en langue allemande est déjà consultable ici. Le reste de l’œuvre se compose de textes tout aussi puissants en alsacien. J’aurai plus tard l’occasion de vous en présenter quelques-uns. En attendant je vous souhaite une bonne écoute et un bon visionnage. N’oubliez pas que je me réjouis de tous vos retours, qui ose m’envoyer un p’tit mot ?   Elsassischi Uferstehung Gedichtle en unsere drej Sproche Eugène Mann ACM Edition 1995...

Elsässische Auferstehung!

Selten hat mich ein Gedichtband so begeistert wie Eugène Manns « Elsassischi Uferstehung ». Ich entdeckte ihn erst Jahre nach seinem Erscheinen 1995. Zwar hatte er damals den Preis der Stadt Colmar erhalten, doch leider erreicht Lyrik, und mag sie noch so hervorragend sein, heutzutage keine breite Leserschaft. Deswegen ist es mir eine besondere Freude, zumindest einen Teil dieses großen, wenn auch kurzen Werks der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Denn das Buch ist längst nicht mehr im Handel zu finden. Hier also die Einleitung, die in deutscher Sprache verfasst wurde. Der wesentliche Teil des Werks besteht aus Mundartgedichten, literarischen Handgranaten, von denen ich einige in einem anderen Video veröffentlichen werde. Das französische Finale, ein schonungsloses Bild des modernen Elsass, werdet Ihr auch bald genießen dürfen. Viel Spaß beim Zuhören – und denkt daran, dass ich mich auf eure Mails freue! Wer wagt den Schritt?   Elsassischi Uferstehung Gedichtle en unsere drej Sproche Eugène Mann ACM Edition 1995...